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Offener Brief zur Krise in der Ukraine

Moskau,

den 5. Februar 2015

 

Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!« Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet. Ich sage aber: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen.

Galater 5,14-16

 

Liebe Freunde im Glauben, nicht nur in Nordamerika!

 

Wir, die Baptisten Rußlands, sind über die letzten Entwicklungen in der Ukraine sehr besorgt. Die möglichen Kosten und Schäden schnellen in die Höhe; die militärische Auseinandersetzung steigert sich. Die US-amerikanische „Freedom Support Act”, die am 18.12. unterzeichnet worden ist, kann zu einer gewaltigen Eskalation führen. Sie scheint, denen, die aufs Militärische setzen, grünes Licht zu geben. Die allgemeinen US-Wahlen vom 4. November vermitteln den Eindruck, die amerikanischen Wähler würden aggressiver werden. Es schmerzt uns, daß viele dieser Wähler sich als Christen verstehen.

 

Die Kunst der Diplomatie und der Versuch, die Herzen und den Verstand von Menschen zu gewinnen, scheint passé zu sein. Doch Drohnen und Raketen werden den Terrorismus in Nahost nicht verhindern. In Pakistan, im Irak und anderswo führt das Töten von wenigen Unschuldigen oder Beteiligten mühelos zur Schaffung 30 weiterer Gegner. Der Westen muß sich um das Herz und den Verstand der Menschen bemühen, und das kann nur mit friedlichen Mitteln geschehen. Nur das Gute kann die Herzen anderer gewinnen.

 

Wir möchten gemeinsam mit unseren Brüdern und Schwestern im Westen und in der Ukraine zu einer Einigung am Verhandlungstisch aufrufen. Diese Auseinandersetzung läßt sich militärisch nicht lösen. Sowohl die NATO als auch Rußland sind zu stark, um militärisch besiegt zu werden. Oder genauer gesagt: Die Kosten einer militärischen „Lösung“ übersteigen bei weitem die „Zahlungsbereitschaft“ der beteiligten Parteien.

 

Wir wollen den Frieden jetzt – harte Kompromisse werden in Kauf genommen werden müssen. Wir bitten Sie im Westen und in der Ukraine, gemeinsam mit uns russischen Baptisten für die Sache einer Verhandlungslösung zu streiten. Ein gemeinsames Ringen um diese Sache ist viel wichtiger als unsere persönlichen politischen Überzeugungen in Detailfragen.

 

Liebe Leser: Bitte schreiben Sie uns. Wie können wir alle besser und effektiver für die Sache des Friedens streiten? Wie können wir besser verdeutlichen, daß nur Verhandlungen zum Frieden führen? Was läßt sich gemeinsam durchführen?

 

Natürlich ist auch die russische Gesellschaft in keinster Weise vollkommen. Beten Sie für uns.

 

Pastor Witali Wlasenko,

Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen, RUECB

Moskau, den 5. Februar 2015

 

Eine offizielle Verlautbarung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten, Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen. Sie darf kostenlos abgedruckt werden. Meldung #15-02, 379 Wörter